Die Rose unserer Großmütter erlebt ihr kurzes Comeback
Nur wenige Wochen im Jahr öffnet sie ihre dichten, üppigen Blüten – und wer ihren Duft einmal eingeatmet hat, vergisst ihn so schnell nicht wieder. Die hundertblättrige Rose, auch als Apothekerrose bekannt, war einst in keinem Bauerngarten wegzudenken. Heute erleben viele Gartenfreunde ihre Wiederentdeckung.
Das Besondere: Ihre Blütezeit ist kurz, aber intensiv. Genau das macht sie so wertvoll – und genau deshalb lohnt es sich, die Blütenblätter zu ernten und haltbar zu machen.
Warum die hundertblättrige Rose so besonders ist
Im Gegensatz zu modernen Züchtungen punktet diese alte Rosenart nicht mit endloser Blütefreude, sondern mit einer Tiefe des Aromas, die ihresgleichen sucht. Die ätherischen Öle sitzen in den Blütenblättern und entfalten sich beim Verarbeiten auf eine Weise, die kommerzielle Rosenprodukte selten erreichen.
Unsere Großmütter wussten das ganz genau. Sie warteten ungeduldig auf diese wenigen Wochen und nutzten jede einzelne Blüte mit Bedacht.
Wann und wie man die Blütenblätter richtig erntet
Der richtige Erntezeitpunkt entscheidet über Aroma und Qualität. Am besten pflückt man die Blüten an einem trockenen Morgen, kurz nach dem Öffnen – dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Regen oder Mittagshitze können das Aroma deutlich abschwächen.
- Blüten wählen, die sich gerade erst geöffnet haben
- Niemals nasse oder beschädigte Blütenblätter verwenden
- Schonend zupfen, ohne die Blüte zu quetschen
- Sofort weiterverarbeiten oder kühl und trocken lagern
Rosensirup – der Sommergeschmack im Glas
Rosensirup ist wohl das bekannteste Produkt aus den Blütenblättern der hundertblättrigen Rose. Das Grundrezept ist simpel: Blütenblätter werden mit Zucker und Wasser aufgekocht, einige Stunden ziehen gelassen und anschließend abgeseiht. Das Ergebnis ist ein zart rosa leuchtender Sirup mit einem unverwechselbaren Blütenduft.
Wer Zitronensäure hinzufügt, intensiviert nicht nur die Farbe, sondern verbessert auch die Haltbarkeit. In saubere, sterile Flaschen abgefüllt, hält sich der Sirup problemlos bis in den Winter.
Rosenwasser selbst herstellen – einfacher als gedacht
Rosenwasser war früher ein fester Bestandteil der Hausapotheke – zum Kochen, zur Pflege und als natürliches Erfrischungsmittel. Die Herstellung zu Hause gelingt erstaunlich gut, auch ohne aufwendige Destillationsgeräte.
Die einfachste Methode: Frische Blütenblätter in einen Topf geben, mit destilliertem Wasser bedecken und bei sehr niedriger Hitze langsam erwärmen – keinesfalls kochen lassen. Nach etwa 30 Minuten das Wasser durch ein feines Sieb abseihen und in dunkle Flaschen füllen. Kühl gelagert ist das Rosenwasser mehrere Wochen haltbar.
Rosenduft-Zucker – ein kleines Geschenk aus dem Garten
Duftzucker aus Rosenblüten klingt nach Luxus, lässt sich aber im Handumdrehen zubereiten. Dabei werden frische Blütenblätter abwechselnd mit weißem Zucker geschichtet und luftdicht verschlossen. Nach einigen Tagen nimmt der Zucker das Rosenöl vollständig auf.
Die Blütenblätter werden danach herausgesiebt oder können im Zucker verbleiben, wenn sie trocken genug sind. Dieser aromatische Zucker verfeinert Backwaren, Tees oder Desserts auf ganz besondere Weise – und macht sich hervorragend als selbstgemachtes Mitbringsel.
Getrocknete Blütenblätter für den Vorrat
Wer die Blüten für den Winter aufbewahren möchte, kann sie trocknen. Dafür die Blütenblätter einzeln auf einem Gitterrost oder Backpapier ausbreiten und an einem schattigen, gut belüfteten Ort trocknen lassen. Direktes Sonnenlicht würde die empfindlichen Aromen zerstören.
Nach dem vollständigen Trocknen in dunklen Gläsern aufbewahren. So bleiben Duft und Wirkstoffgehalt deutlich länger erhalten – und der Sommer lässt sich noch Monate später in die Tasse oder in den Teig zaubern.
Ein kurzes Fenster, das man nicht verpassen sollte
Die hundertblättrige Rose blüht nur wenige Wochen. Wer diese Zeit verstreichen lässt, ohne die Blüten zu nutzen, wartet ein ganzes Jahr auf die nächste Gelegenheit. Mit etwas Planung und den richtigen Rezepten lässt sich jedoch ein ganzer Vorrat an duftenden Produkten anlegen – ganz so, wie es unsere Großmütter generation für Generation getan haben.
Es braucht keine ausgefeilte Ausrüstung, keine seltenen Zutaten. Nur ein bisschen Zeit, Geduld und den Willen, dieses alte Wissen wieder aufleben zu lassen.









